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19.05.2016

IDEFIX am Seemanns-Sonntag!
Während an Bord für den traditionellen Seemanns-Sonntag die Servietten gefaltet werden, vollbringen die ROV-Piloten Höchstleistungen beim ersten Einsatz den IDEFIX-Systems zur Fixierung von Proben in der Tiefsee.

Institutsdirektorin Nicole Dubilier und ein internationales Forscherteam sind unterwegs, um das Leben an Hydrothermalquellen zu erforschen. Videoblog und Wochenberichte lassen uns daran teilhaben.

Es ist Seemanns-Sonntag! Der Seemanns-Sonntag ist eine alte seemännische Tradition, nach der immer donnerstags besonders feines Essen auf den Tisch kommt. Auch auf der FS Meteor schlägt sich dieser besondere Tag im Menü nieder.

Aber bei unseren Wissenschaftlern kommen auch noch ganz andere Sachen auf den Tisch: Der Tauchroboter Marum-Quest liefert bestes Probenmaterial. Heute kommt zum ersten Mal ein neuartiges Gerät mit dem Namen IDEFIX zum Einsatz. IDEFIX ist die Abkürzung für In Depth Fixation Device und wurde von Christian Borowski und seinem Team am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen entwickelt. Dieses Gerät ermöglicht es, die Proben, die der Tauchroboter in tausenden Metern Tiefe nimmt, direkt vor Ort zu konservieren. Warum das wichtig ist? Bisher wurden die Proben – beispielsweise Muscheln oder Würmer – erst auf Deck des Schiffes konserviert, wo Druck und Temperatur ganz anders sind als in ihrem Lebensraum an den Hydrothermalquellen. „Wir wissen nicht, wie sich die lange Reise durch die Wassersäule auf unsere Proben auswirkt“, erklärt Nicole Dubilier vom Bremer Max-Planck-Institut in ihrem wöchentlichen Bericht von Bord. „So könnten zum Beispiel die Muscheln, die wir an Bord fixieren, durch die großen Druck- und Temperaturunterschiede ganz andere Stoffwechselwege verwenden als in ihrem natürlichen Lebensraum.“ Ein Vergleich traditioneller Proben mit denen von IDEFIX wird zeigen, ob eine Fixierung der Proben an Deck ausreicht oder die Forschungsergebnisse verfälscht.

Der erste Einsatz von IDEFIX war ein Erfolg. „Wie haben uns richtig gefreut“, fährt Dubilier fort. Nicht nur wegen der wissenschaftlichen Leistung „Denn IDEFIX erforderte höchstes Können von unserem ROV-Piloten. Es war eine echte Meisterleistung!“

Nicole Dubilier berichtet außerdem jede Woche von den neuesten Ereignissen an Bord und dem Fortgang der Tauchgänge und Untersuchungen.

1. Wochenbericht vom 24. April

2. Wochenbericht vom 1. Mai

3. Wochenbericht vom 8. Mai 

4. Wochenbericht vom 18. Mai

Mit an Bord ist der Dokumentarfilmer Pascal Wendlinger. Sein Videoblog gibt Einblicke in die Arbeit und das Leben auf dem Schiff. Fernab von Nachschub und fremder Hilfe schaffen es Crew und Wissenschaftler, den vielfachen Herausforderungen einer solchen Forschungsreise mit Einfallsreichtum und Humor – und natürlich reichlich guter Vorbereitung - zu begegnen.


Weitere Informationen gibt es auf der Expeditions-Website.

Zum Hintergrund ...

Hydrothermalquellen treten am Mittelatlantischen Rücken, an dem sich tief unter der Meeresoberfläche die Kontinentalplatten auseinanderschieben, besonders häufig auf. Durch Spalten im Meeresboden dringt dort Wasser in den Boden ein, wird erhitzt und mit Mineralien angereichert und anschließend wieder ins Meer gepresst. Trotz der hohen Temperatur des austretenden Wassers bilden sich wahre Oasen des Lebens in einer sonst lebensfeindlichen Tiefsee. Der Tauchroboter MARUM-QUEST kann mit seinen Kameras und Greifarmen bis zu 4000 Meter tief tauchen, um die Tiefseequellen zu beproben und untersuchen.

Besonders bedeutsam für das Leben an den heißen Quellen sind chemosynthetische Symbiosen. Diese sind auch Nicole Dubiliers Spezialgebiet. Muscheln, Schnecken, Krebse oder Würmer halten Bakterien als Untermieter. Die Bakterien nehmen beispielsweise Sulfid oder Methan aus dem Quellwasser auf und geben Stoffwechselprodukte an die Würmer weiter. Was haben die Bakterien davon? Sie leben sicher in ihrem Wirt, der ihnen die stete Nähe zur Nahrungsquelle garantiert. Ohne diese Symbiosen wäre das reiche Leben an den Tiefseequellen nicht möglich.

Solche Symbiosen stehen im Zentrum der aktuellen Meteorfahrt. Wie beeinflusst die lokale Geologie den Wasseraustritt, was bedeutet das für die vor Ort Lebenden Mikroorganismen und welche Rolle spielen Viren in diesem Lebensraum? Diesen und anderen spannenden Fragen forschen Dubilier und ihre Kollegen nach.

Diese Forschungsfahrt findet im Rahmen des DFG Forschungszentrums und Exzellenzclusters MARUM, Universität Bremen, statt. Zusätzliche Unterstützung kommt von der Max-Planck-Gesellschaft und dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis an Nicole Dubilier.

Kontakt

Dr. Fanni Aspetsberger * 0421 2028 947

Dr. Manfred Schlösser * 0421 2028 704

pressempi-bremen.de